KategorienE-Mobilität

Stilikone BMW i3 – Eine Hommage

Wenn ich mich in den letzten Monaten (wenn nicht sogar den letzten Jahren) mit dem deutschen Premium-Autohersteller BMW beschäftigt habe, blieb am Ende sehr oft eine gerunzelte Stirn übrig. Zu undurchsichtig, in welche Richtung sie marschieren werden, kein klares Statement. Dabei bin ich schon lange ein BMW-Fan und durfte in den vergangenen 6 Jahren auch einige fahren – zwei mal einen 320er, dann einen X1 und zu guter Letzt den voll elektrischen Mini Cooper SE. Und jedes einzelne dieser Autos ist klasse. Die Verarbeitung ist einwandfrei und egal ob Benziner oder Elektro: so sparsam konnte ich noch nie ein Auto fahren. Darüber hinaus macht BMW einfach sehr viel Spaß.

BMW ist auch dafür bekannt, dass sie eine Innovationsmacht sind. Sie reden selbst nicht viel drüber, aber im Innern dieser Autos steckt wirklich viel Überlegung und Design. Außerdem sind sie (laut meinen Erfahrungen) langlebig und zuverlässig – eben Premium. Und mit dem Begriff „Innovation“ kommen wir auch zum eigentlichen Thema dieses Artikels – dem BMW i3. Seit 2013 wird er gebaut und war das erste Modell, welches unter der Submarke „BMW i“ erschien. Und lange Zeit war er auch das letzte. Nun wurde bekannt, dass BMW 2022 nun endgültig die Produktion des i3 einstellen wird, weshalb es nun wirklich Zeit wird, eine Hommage zu schreiben; und über vertane Chancen und neue Möglichkeiten zu philosophieren.

Seiner Zeit voraus

„Seiner Zeit voraus“. Ja, diesen Satz hört man oft, manchmal sogar inflationär. Aber im Fall des BMW i3 brauchen wir rein gar nicht darüber diskutieren – er war seiner Zeit sogar meilenweit voraus. An diesem Auto stimmten von Anfang an sehr viele Dinge. Und was noch nicht passte, wurde im Laufe der Jahre stimmig gemacht. In der Zeit, in der Tesla gerade erste Erfolge mit dem Model S feierte, dachte BMW beim i3 einfach schon ein Schritte weiter.

Es war nicht nur der Elektroantrieb, der den BMW i3 zu etwas Besonderem machte, sondern auch der Rest. So ist die komplette Fahrgastzelle aus Kunststoff gefertigt, welcher mit Kohlefaser verstärkt ist. Die Auswirkung liegt auf der Hand: bis auf den heutigen Tag gehört der i3 durch sein verhältnismäßig geringes Gewicht zu den sparsamsten Elektroautos auf dem Markt. Im Innenraum wird auf erneuerbare Materialien gesetzt – etwas, womit andere Autohersteller erst jetzt so richtig anfangen und dies gerne auch als Marketing-Mittel nutzen. BMW hat das im Gegensatz dazu sehr selten offen kommuniziert. So oft ich mir den i3 in Autohäusern angeschaut habe, das hat mir nie einer der Verkäufer:innen erklärt.

Anfänglich hatte der i3 noch einen sogenannten Range Extender – einen kleinen Benzinmotor, der im Falle eines leeren Akkus noch ein paar Kilometer rausholen konnte. Im Grunde war dies ein umgekehrtes Hybrid-Fahrzeug. In diesen (Plugin)-Hybrid-Fahrzeugen (PHEV) dient ein Elektromotor als Ergänzung zum Verbrenner. Der i3 war aber schon 2013 ein kleiner Wink dahin, dass es den Verbrenner gar nicht geben sollte. Mit einer später vergrößerten Akku-Kapazität ist der Range Extender dann auch komplett verschwunden.

Auch Design-technisch dachte BMW in die Zukunft. Wo das Design bei vielen in meinem Umfeld einen Brechreiz verursacht, gibt es eine große Schar von Fans, die dieses Auto als Stilikone feiern. Und zu dieser Gattung zähle auch ich mich. Ein absolut zeitloses Design, das selbst nach 9 Jahren überhaupt nicht alt geworden ist. Viele spotten über die „hinteren Türen“, die man nur öffnen kann, wenn die Vordertür offen ist. Der i3 ist schon immer ein 2-Türer mit Einstiegshilfe für das Fond gewesen. Also nichts für Ungut, dieses kleines Feature ist für meinen Geschmack das netteste, ungewöhnliche Schmankerl an diesem Auto.

Vertane Chancen

Initialer Anstoß zum Schreiben dieses Artikels gab mir ein Tweet von Frank Feil, den ich hier gerne zitieren möchte. Im Grunde sagt er alles aus, was auch in meiner Wahrnehmung in Verbindung mit dem i3 bei BMW schief läuft:

Zugegeben, in diesem Auto steckte damals so viel Innovation, dass jedes verkaufte Stück wahrscheinlich ein Minus-Geschäft war. Aber BMW war gerade dabei, dieses Manko zu kitten. Denn erst in den letzten Jahren ist die Popularität und die Liebe zu diesem Auto rapide angestiegen. Hier ein paar Zahlen vom Kraftfahrt-Bundesamt (also nur bezogen auf Deutschland). Weltweit wurden sogar 2019 ca. 40.000 Fahrzeuge verkauft.

Hätte BMW, als sie merkten, dass das Thema Elektromobilität weltweit richtig Fahrt aufnimmt, nicht immer von Technologieoffenheit geredet, sondern den i3 noch einmal aktualisiert, wäre das eine regelrechte Cashcow vom Feinsten geworden. Neuste Akku- und Ladetechnik, ein kleines Facelifting, den Bordcomputer nochmal auf den neusten Stand gebracht, und man hätte ihnen das Auto aus der Hand gerissen.

Jetzt haben wir einen BMW i4, einen iX3 und einen iX. Die ersten beiden sind nichts anderes als umgebaute Verbrenner mit einem Elektromotor. Sie mögen gut sein, aber lange nicht so effizient, wie sie sein könnten. Der iX ist laut Meinung vieler Autotester- und kenner ein Beweis dafür, dass BMW es nicht verlernt hat, gute Elektroautos zu bauen. Aber mal ehrlich: zwei von den drei Modellen sind riesige SUV-Schlachtschiffe, die im Stadtverkehr meines Erachtens (fast) nichts zu suchen haben. Wer dazu beitragen möchte, die Elektromobilität mit zu gestalten, braucht Modelle wie den i3. Erschwinglicher als ein iX3 (wobei erschwinglich bei BMW auch eigene Bedeutung hat), aber vor allem benutzbarer im Alltag.

Künftige Chancen

BMW hat in der Vergangenheit schon mehrfach angekündigt, den i3 einzustellen. Der Aufschrei war jedes Mal groß. Und dann ruderten sie zurück. Doch 2022 wird es wohl der endgültige Todesstoß für dieses Modell sein. Was äußerst schade ist. Zumal es keine Ankündigung gibt, wie es in diesem Fahrzeugsegment weitergehen soll. Ja, die BMW-Tochter Mini soll jetzt nach und nach komplett elektrifiziert werden. Mit einem elektrifizierten Mini Countryman könnte die Lücke des i3 gestopft werden. Aber BMW bleibt halt BMW. Wer BMW fährt, wird wahrscheinlich nicht zu Mini wechseln. Also wird die Lücke des i3 bleiben.

Der Markt schreit nach kompakten Elektroautos. Was der Markt aber bekommt ist ein SUV nach dem anderem. Und auch wenn BMW für die Salonfähigkeit des Stadt-Geländewagens (Wie beknackt kann eine Wortschöpfung eigentlich sein?) in großem Stil mit verantwortlich ist, sollte jetzt ein Umdenken erfolgen. Der BMW i3 war nicht nur ein Statement zur Elektromobilität, sondern auch ein Statement zur Verkehrswende – die künftig auch von Automobilherstellern mit getragen werden muss. Nie war ein Zeitpunkt besser, ein solches Zeichen noch einmal zu setzen.

Liebe BMW! Denkt Euren iX einfach noch mal kleiner. Nicht technologisch, sondern vom Formfaktor her. Ihr könnt das. Der i3 gehört zu besten Autos, das ihr in der Vergangenheit gebaut habt - mit so viel Liebe zum Detail und einem großen ökologischen Anspruch. Genau so etwas braucht der Markt jetzt und heute.

Der i3 ist tot, lang lebe der i3

Ja, auch der i3 ist allmählich in die Jahre gekommen. Seine 50kW maximale Ladeleistung sind vielleicht nicht mehr State of the art, haben aber in der Regel immer super ausgereicht. Hier und da bräuchte dieses Wägelchen aber ganz sicher eine Auffrischungskur.

Aber alles in allem ist er auch heute noch ein unfassbar gutes Elektroauto und hat es meiner Meinung nicht verdient, in den Ruhestand geschickt zu werden. Autos in dieser Größe gibt es (VW iD3, Cupar Born), aber solche mit der Qualität, für die BMW immer noch steht, fehlt einfach an allen Ecken.

Der BMW i3 war und ist eine Stilikone und ein Wegbereiter für die Elektromobilität. Dieses Zeugnis wird man ihm trotz allem nicht mehr nehmen können.