KategorienFotografie

Die Leica Q2. Und viele, viele Ausreden

In meinem Leben hatte ich schon einige Fotokameras. Und wenn ich mit all den Objektiven und dem ganzen Zubehör losgezogen bin, war das ein halber Umzug. Ich möchte im Nachhinein gar nicht darüber nachdenken, wieviel Geld dort reingeflogen ist. Doch eines ist für mich unbestritten: bei den vielen Hobbys, die mich in meinem Leben begeistert haben, war die Fotografie mit Abstand das schönste.

Doch irgendwann endete diese Ära. Die Hochzeitsfotografie war passé, ich wurde träge und die gesamte Ausrüstung lag Monate lang in der Ecke und verstaubte. Keine Ahnung habend, ob mich die Muse irgendwann wieder einmal packen würde. Und dann verkaufte ich den ganzen Plunder. Das ist jetzt einige Jahre her. Andere Hobbys wie das Musikmachen, das Podcasten oder vieles andere rückten in den Vordergrund und füllten meine Freizeit.

Eine persönliche Renaissance

Doch 2020 änderte sich irgendwas. Und ich habe keine Ahnung, was der Auslöser war, aber irgendwas drängte mich wieder in die Richtung Fotografie. Also dachte ich darüber nach, ob ein Wiedereinstieg machbar und richtig wäre. Und natürlich war der Kopf gleich voll mit Gedanken zu Herstellern, Objektiven, Filtern und was es sonst noch so alles geben könnte. Doch halt, ich musste die Sache diesmal etwas anders angehen. Ich musste mir Regeln auferlegen. Es durfte einfach nicht wieder so ein Fass ohne Boden werden, was mich am Ende orientierungslos und in 20 verschiedenen Genres wiederfinden lässt – einfach, weil ich Equipment-technisch kann. Zwei Regeln habe ich mir dann auferlegt. Ich schrieb sie auf einen Zettel. Und immer wenn ich über ein Kameramodell nachdachte, blickte ich auf diese Regeln und macht den Check.

  1. Kaufe etwas kompaktes. Etwas, was nicht dazu verleitet, mehr und mehr Zubehör zu horten.
  2. Kaufe etwas, um damit Kunst zu machen. Überlege dir nur ein paar wenige Genres, in denen du unterwegs sein möchtest und schaue, dass die Kamera genau dazu passt.

Und so durchkämmte ich den Kamera-Markt. Ich stieß auf viele verschiedene Kompaktkameras unterschiedlichster Hersteller. Historisch gesehen komme ich aus der Canon-Ecke, aber schnell wurde mir klar, dass ich dort nichts finden werde, was meinem Qualitätsanspruch entspricht – zu viel Kunststoff, zu wenig Leidenschaft. Bei Nikon das gleiche. Dann bin ich bei Panasonic gelandet. Mit der DC-LX100 gab es ein kompaktes Multitalent mit guter Lichtstärke und wertigem Gehäuse. Ich habe sie gekauft, damals für ca. 850 Euro – was für eine kompakte Kamera schon gutes Geld ist. Doch nachdem ich ein paar Wochen damit herumgespielt habe, verschwand irgendwie die Freude an diesem Gerät. Sie war mir plötzlich zu langweilig. Ich schickte sie zurück.

Und so schlief das Thema Fotografie wieder ein paar Monate ein. Allerdings (und damit eine klare Aufforderung an alle meine treuen Leser, diesen Fehler nicht nachzumachen) besuchte ich alle paar Wochen die Webseite von Leica. Ich redete mir lange ein, dass Leica eh keine Option ist. Vor allem wegen der Preise. Trotzdem kann man sich ja mal informieren, und die Spezifikationen mit denen anderer Hersteller vergleichen. Wahrscheinlich ist es so wie mit scharfem Essen. Je häufiger man sich scharfes Essen zu Gemüte führt, desto mehr stumpft man ab. In der Retrospektive muss ich offen zugeben, dass der Preis einer Leica Q2 (die ich irgendwann zu meinem Favoriten erkoren hatte) gar nicht mehr so schlimm erschien, je öfter ich den Webshop besucht hatte.

Und 2021 konnte ich mich nicht mehr zügeln. Im Juli, als die Q2 dann nach längerer Zeit wieder bestellbar war, klickte ich auf „bestellen“. Kurze Zeit später hielt ich sie in meinen aufgeregt zittrigen Händen.

Warum ist es die Q2 geworden?

Wir erinnern uns an meine zwei Regeln. Die Leica Q2 zahlt auf beide meiner Regeln zu 100% ein.

Regel 1: Sie ist kein Fass ohne Boden

Ja, der Anschaffungspreis für eine Q2 ist immens. Aber im Grunde genommen war es das auch schon. Heißt: die Möglichkeiten, diese Kamera aufzurüsten, wie man es mit nahezu jeder anderen Vollformat- / Spiegelreflexkamera macht, sind sehr gering. Keine optionalen Objektive, weil die 28mm-Festbrennweite fest verbaut ist. Kein Studio-Equipment, weil die Kamera schlicht und ergreifend keine Anschlüsse für irgendwas hat.

Aber doch, ein klein wenig Zubehör gibt es doch. Beispielsweise macht ein Case schon Sinn. Zum einen, dass sie etwas stabiler in der Hand liegt, zum anderen, um das Gehäuse vor Stößen und Remplern zu schützen. Solch ein Half-Case ist gerade auf dem Weg zum mir.

Worüber ich auch noch nachdenke ist eine Daumenstütze – ebenfalls dafür da, dass man die Kamera noch sicherer halten kann. Hier muss ich aber auch ganz klar sagen, dass diese nicht zwingend von Leica sein muss, kostet sie dort stolze 210 Euro. Da schaue ich mir irgendwann mal die günstigeren Nachbauten an.

Was einem in bestimmten Situationen auch Spaß machen könnte, sind Plattenfilter. Mit sogenannten ND-Filtern kann man beispielsweise tagsüber beim Fotografieren um einige Blenden abdunkeln, was einem in der Naturfotografie bei Langzeitbelichtungen hilft. Und überhaupt können Filter beim künstlerischen Fotografieren tolle Möglichkeiten bieten.

Es gäbe noch einen Aufsteckblitz von Leica. Aber ich mochte Blitze noch nie – schon in meiner Zeit als Hochzeitsfotograf nicht. Also werde ich das Thema auch in Zukunft nicht wirklich in Betracht ziehen.

Aber alles in allem war es das auch schon. Mehr gibt es gibt an relevantem Zubehör nicht. Stativ und so habe ich von damals noch und Bedarf keiner neuen Anschaffung. Wenn also aufgerüstet werden soll, dann geht das im Grunde genommen nur mit einer weiteren oder anderen Kamera. Mein innigster Wunsch ist aber, dass die Leica Q2 die letzte Kamera ist, die ich in meinem Leben gekauft habe. Und deswegen halte ich Preis dann auch schon wieder für ganz okay. Man kauft einmal Qualität und hat sehr, sehr lange was davon.

Regel 2: Eine Kunst-Kamera

Kunst ist kein Zufalls-Produkt. Ich habe lange gebraucht, um das zu begreifen. Mit meinen vorherigen Kameras habe ich sehr oft einfach draufgehalten in dem Bewusstsein, der Rest passiert eh später am Computer. Das ist mit der Leica ein wenig anders.

Die starken Limitierungen der Kamera sorgen dafür, dass du einfach mehr und länger überlegst, bevor du ein Foto machst. Vielleicht ist das sogar ein wenig vergleichbar mit der analogen Fotografie. Du musst überlegen, was genau du festhalten möchtest. Ist das Objekt zu weit weg, benutzt du mangels Existenz eines Zooms deine Füße und gehst näher ran. Oder du gehst zurück, um etwas Größeres einzufangen. Mit anderen Worten, du beschäftigst dich einfach mehr mit dem Prozess des Fotografierens. Das habe ich damals verkümmern lassen und erst bei der Nachbearbeitung „eine Fotografie daraus gemacht“.

Kurz gesagt: Ich möchte das Fotografieren ganz neu für mich entdecken. Gerade auch, wenn es in Richtung Streetfotografie geht. Sich Zeit nehmen. Sich eine Bühne oder Leinwand schaffen und auf den perfekten Moment warten. Das wird schwierig werden, ich weiß das. Und es wird auch geduldstechnisch einiges von mir abverlangen. Aber ich glaube, dass mir das richtig viel Spaß machen wird.

Hätte es eine Fujifilm nicht auch getan?

Ja ich weiß, die Fujifilm X100V hätte eine tolle und sehr viel günstigere Alternative zur Q2 gewesen sein können. Und sie wird ja besonders im Bereich der Streetfotografie auch hochgelobt und gefeiert. Sie bietet außerdem sehr viel mehr als die Leica:

  • Sie hat … Anschlüsse. Man könnte sie beispielsweise als Webcam verwenden und hätte dabei ein ganz wunderbares Bokeh aufgrund der hohen Lichtstärke. Und man könnte den Akku direkt in der Kamera laden.
  • Sie hat außerdem wirklich gute Film-Simulationen, die es einem ermöglichen, den Fotos direkt aus der Kamera heraus einen analogen Filmlook zu geben. Und ich bin immer wieder begeistert davon, wie genial diese Filter aussehen.
  • Sie ist vielleicht noch ein wenig kompakter und leichter als die Q2.

Aber sie hat für mich auch zwei „Nachteile“ – in Anführungszeichen:

  • Die Fujifilm X100V hat keinen Vollformatsensor wie die Leica – was jetzt nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, weil die Qualität wirklich zu stimmen scheint. Aber Vollformat ist zumindest in Sachen Rauschenverhalten bei höheren ISO-Werten vielleicht noch ein wenig besser, weshalb ich das einfach mal mit aufliste.
  • Weiterhin geht es um den Preis der Fujifilm: er liegt weit unter der Q2. Was eigentlich ein großer Vorteil ist, kann in Verbindung mit meiner ersten Regel dann doch ein Nachteil sein. Mit ca. 1400 € spielt die X100V halt in einer Liga, wo man dann doch bei dem Erscheinen eines Nachfolgers schneller mit dem Gedanken spielt, sich das neue Modell zu kaufen. Und den Vorgänger verkauft man dann mit einem relativ hohen Wertverlust. Und damit würde ich wieder in die Falle tappen, immer und immer wieder Geld in dieses Hobby zu stecken.

Ja, wenn man mich fragt, ob die X100V oder eine andere Fujifilm aus der X-Serie nicht doch auch eine Möglichkeit gewesen wäre, muss ich offen zugeben: Ja, das wäre sie. Aber vielleicht sind die Gründe für die Q2 doch ein klein wenig nachvollziehbar.

Kommen wir zu einem Fazit

Die Leica Q2 zu kaufen, war eine Entscheidung, die auf vielen Überlegungen basiert. Aber trotz allem war der Weg dorthin ehrlich gesagt auch mit viel Schönrederei verbunden. Mit anderen Worten: Diese Kamera war alles andere als eine Vernunftentscheidung. Und dennoch bin ich froh, sie jetzt hier auf meinem Schreibtisch neben mir liegen zu haben.

Aufgrund des Winters, der Pandemie und ziemlich heftigen Umwälzungen in meinem derzeitigen Leben habe ich noch nicht groß Zeit gehabt, um mit der Kamera loszuziehen und umfassendere Erfahrungen damit zu machen. Das steht aber jetzt auf der Liste. In dem Bewusstsein, dass ich da ein ganz besonderes Stück Technik in der Hand halte und mich selbst künstlerisch herausfordern möchte, kann ich es wirklich kaum abwarten, loszulegen und die Stadt „unsicher“ zu machen. Natürlich werde ich hier und da ein paar Ergebnisse zeigen und freue mich auf Euer Feedback. Also regelmäßig auf meinem Blog vorbeizuschauen wird sich hoffentlich lohnen.